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Zwei Österreicher
in Vietnam |
Im folgenden möchte ich Sie für eine bisher unveröffentlichte und unbeachtet gebliebene Emigrantengeschichte interessieren. Das ist die von uns (Alexander Muliar, Sylvia Frey, Dr. Irmgard Schwartz und mir) in Hanoi 1996 filmisch recherchierte Geschichte der beiden österr. Juden Ernst FREY und Georg WÄCHTER, die nach einer abenteuerlichen (und teilweise mißglückten) Flucht vor den Nazis aus Wien (1938) als Fremdenlegionäre in Französisch-Indochina strandeten und ab 1945-1950 als erste Europäer auf der Seite der siegreichen Viet Minh für die Unabhängigkeit Vietnams kämpften ! Mit ihren in Nordafrika (1939-1941) erworbenen militärischen Kenntnissen waren die beiden Österreicher von der Geburtsstunde Vietnams (Sept. 1945), als Ho Chi Minh von einem Balkon die Unabhängigkeit in Hanoi ausrief, die engsten militärischen Berater und Freunde im innersten Kreis um Ho Chi Minh, nämlich: Pham van Dong (später Premier) Truong Chinh (1. Parteivorsitzender) und hauptsächlich von General Vo Nguyen GIAP (damals 24 Jahre und Mittelschullehrer), jenes Mannes, der als Oberkommandant Nordvietnams sowohl die franz. Kolonialmacht in Dien Bien Vuh (1954) als auch die USA(1975) militärisch besiegen konnte.
ERNST FREY, der (damals) idealistisch geprägte öst. Marxist und Atheist, erreichte den Rang eines Oberst in der Viet Minh Armee und kämpfte 5 Jahre, von 1945-1950, gegen die nach dem 2.WK.nach Vietnam zurückkehrende franz. Kolonialarmee, in der er zuvor auf der Flucht vor Hitler selbst diente. 1949, mitten im Dschungel Vietnams, buchstäblich von einer Stunde zur anderen, erlebte er (nach eigenen Angaben seines Tagebuches) ein gewaltiges „Gotteserlebnis", dergestalt, daß der bis dahin überzeugte Atheist nach mehreren Selbstmordversuchen zum Katholizismus konvertierte! 1950 (dennoch) in Ehren aus der vietnamesischen Armee entlassen, kehrte der nun getaufte und gläubig gewordene ERNST FREY gemeinsam mit Hr. WÄCHTER (Deckname: George Wilton) über Peking und Moskau mit der transibirischen Eisenbahn nach Wien zurück, wo FREY 1951 erfahren mußte, daß seine Eltern in einem KZ ermordet wurden. Bis zu seinem Tod 1993 lebte der 1980 mit dem „Ho Chi Minh-Orden" um die Verdienste Vietnams ausgezeichnete ERNST FREY in Wien als selbständiger Textilvertreter ein vergleichsweise bescheidenes, vom starken religiösen Glauben bestimmtes, bürgerliches Leben. Ebenso Herr Wächter. FREY hinterließ 2 Töchter, mit deren Hilfe wir die bisher unveröffentlichten Tagebücher Ihres Vaters (1300 Seiten) Anfang 1996 in Hanoi recherchieren, überprüfen und dokumentarisch filmen konnten. Ergebnis: ca. 320 Minuten Digital Video Footagematerial, das sind: Interviews mit ca. 10 vietnamesischen Veteranen, seinen Adjutanten, Spähern, Sekretären etc., die bei ERNST FREY zwischen 1945-1950 im Regiment Nr.15 dienten, alle über 70. Vom „Intern. Press-Center Hanoi" wurde in hervorragender Zusammenarbeit ein „Veteranentreff" eigens für unsere Video- Dokumentation arrangiert, ebenso mit den bedeutendsten Granden der sozialist. Republik Vietnams, darunter General Vo NGUYEN GIAP, (jetzt 86), Herrn PHAM VAN DONG, 30 Jahre lang Premierminister, jetzt 96 (!), lebte bis zu dessen Tod mit Onkel Ho im selben Haus, sowie dem amtierenden Kulturminister Herrn TRAN HOAN. Natürlich Stadtbilder vom gegenwärtigen Hanoi, Landschaften, in denen sich ERNST FREY und G. WÄCHTER mit Ho Chi Minh und General Giap trafen, wo sie kämpften. Die Sony Digitalkamera wurde von einem ORF- Kameramann, Hr. Alexander Muliar bedient. Zusammenfassend wäre zu sagen, daß von einer Dokumentation „FREY und WÄCHTER" , die ersten Europäer die für ein unabhängiges Vietnam kämpften, etwa 70% bereits realisiert, d.h. vor Ort gefilmt ist! Um diese Arbeit jedoch zu Ende zu führen, müßte als nächster Schritt ein Auftrag, beispielsweise vom ORF, vorliegen, dahingehend, in welchem Umfang und Format die umfassenden Interviews (in Französisch und Vietnamesisch) weiter bearbeitet, übersetzt, kommentiert und schließlich zur filmischen Endform gebracht werden sollen. Auch gelang es uns authentisches Film-Archivmaterial, ca. 30 Minuten, aus der Zeit von 1943-1954 s/w , beispielsweise Ho Chi Minh in Paris, Pham van Dong und General Giap im Dschungel etc. in Hanoi zu erwerben; leider nur auf VHS. Dieses wertvolle Archivmaterial (offiz. Kaufpreis in Hanoi 200 US $/Minute) kann ebenfalls erst nach einem in Übereinstimmung gestalteten Gesamtkonzept für die weitere Bearbeitung herangezogen werden. Noch nicht (filmisch) dokumentiert ist der Lebensabschnitt des 20 jährigen E. FREY von 1938 an, seine Flucht aus Wien unmittelbar nach dem Anschluß an Nazideutschland und der Gefängnisaufenthalt in Feldkirch nach dem ersten mißglückten Fluchtversuch, seine Emigrantenzeit in Paris und in Nordafrika bei der franz. Fremdenlegion bis 1940/41. Dieser Abschnitt ist als historische und dokumentarische Begründung, -wieso es Hr. FREY überhaupt nach Vietnam verschlug-, extrem wichtig und müßte in einer Gesamtlänge von ca.10 Minuten entweder nachgedreht und/oder mit Archivmaterial belegt werden. Andererseits gibt es von Hr. Wächter ein ca. 40minütiges filmisches Portrait aus 1974, das im ORF gezeigt wurde (Regie: B. Frankfurter) „FREY und WÄCHTER, -2 Österreicher in VIETNAM" ist nach unserer Auffassung eine historisch und politisch bedeutsame Emigrantengeschichte , da u.a. der Nachweis erbracht werden konnte, daß es zwei emigrierte österr. Juden waren, die in der Geburtsstunde Vietnams, im September 1945, nach der Kapitulation Japans (beide waren auch in japanischer Kriegsgefangenschaft) dem vietnam. Volk bzw. dessen polit. Führern aus idealistischer Gesinnung (=damals anti-kolonialistische Weltanschauung) ihr milit. Know-how unter Einsatz ihres persönlichen Lebens für einige Jahre im Kampf um die nationale Unabhängigkeit Vietnams zur Verfügung stellten! Die eigentliche Lebenskurve, der Ausstieg und die Kehrtwendung eines überzeugten Marxisten bereits 1951 und seine spätere Hinwendung zum Katholizismus hat mich persönlich am meisten beeindruckt. Dzt. arbeitet ein junger österr. Geschichtswissenschaftler, Hr. Horst Hermann, in Hanoi mit einem Jahresstipendium an einer Diplomarbeit über Ernst Frey. Zwei Versuche im ORF (Dokumentation und Wissenschaft) scheiterten. Zuerst dachte Herr Payrleitner, daß wir erst nach Vietnam reisen müßten um diese Recherchen durchzuführen und verwies uns an Fr. Dr. Maimann. Auch sie war nicht bereit sich das bisher gefilmte Material anzusehen und gab die „Quotenregelung" zu bedenken; nach ihrer Einschätzung würden sich nicht genug Zuseher für diese Emigrantengeschichte interessieren, jedenfalls nicht genug um die bisherige Vorarbeit, die wie gesagt tatsächlich noch nicht abgeschlossen ist, in eine sendefähige Produktion und Endfassung zu bringen. Sollten Sie nach dieser Zusammenfassung anderer Meinung sein bzw. an dieser Geschichte interessiert sein, so würde mich Ihre Benachrichtigung sehr freuen. © 1997 by Michael Pand
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